Erfahrungsbericht von Sandra Schmid

Für mich fängt der Tag wie jeder andere Jagdtag an. Alles zusammensuchen und schauen, in welcher Hosen- und Jackentasche ich was versteckt habe. Hundesachen zusammensuchen, ab ins Auto und noch kurz ein paar Sachen für den Aser einkaufen.

Bei der Besammlung und Begrüssung wird dann der Unterschied bemerkbar. Während ich an Bewegungsjagden häufig die einzige Frau bin – allenfalls noch mit ein bis zwei Jägerinnen –, ist hier das Bild etwas anders. Die anwesenden Männer sind vom Revier Gränichen Ost – alle weiteren 15 Gäste sind Jägerinnen. Jägerinnen aus dem ganzen Kanton – ganz jung und gerade frisch die Jagdprüfung absolviert bis hin zu den erfahrenen Kolleginnen mit jahrelanger Praxis.

Doch wie ist es eigentlich zu dieser Frauenjagd gekommen?

Am Feuer rede ich mit Rolf Suter, Pächter und Jagdaufseher vom Revier Gränichen Ost, Jagdschulleiter und «Jagdgötti» für etliche Aargauer Jäger und Jägerinnen. Er war vor über 20 Jahren der Initiant dieser Frauenjagd. Während seiner Zeit als Jagdschulleiter ist ihm aufgefallen, dass die wenigen Jägerinnen nach der Prüfung kaum Anschluss an ein Revier bekamen. Tatsächlich erzählen mir die Älteren unter uns so einige unschöne Geschichten.

So hat Rolf kurzerhand all jene zu einer gemeinsamen Jagd eingeladen, damit Jagderfahrung und Zusammenhalt gefördert werden können und ein gemeinsames Netzwerk entsteht. Gerade dieses Netzwerk ist auch heute noch wichtig für die rund 10 Prozent Jägerinnen im Kanton.

Die Frauenjagd hat er beibehalten – über 20 Jahre lang. So kann der Jagdleiter bei der Besammlung, mit ein wenig Stolz in der Stimme, verkünden, dass sie wohl das einzige Revier im Kanton seien, das eine solche Jagd durchführt.

Und so werden wir in Gruppen eingeteilt, verstellt und erleben während drei Trieben einen schönen Jagdtag unter Gleichgesinnten. Mit in sich gekehrter Ruhe auf den Jagdbeginn warten, konzentriert lauschen, wenn die Hunde stechen, Adrenalin aushalten, wenn aus der Ferne ein Reh in meine Richtung kommt, verwundert schmunzeln, wenn es mich im noch stark belaubten Gebüsch gekonnt umschlichen hat.

Nach der Jagd – am Feuer – werden Erfahrungen ausgetauscht, Geschichten erzählt und jagdliche Anekdoten zum Besten gegeben. Und bei all dem geht es schlicht und einfach um das jagdliche Handwerk. Und obwohl es heute die Jägerinnen etwas einfacher haben, verwundert es mich doch, dass vielen von ihnen noch immer nichts zugetraut wird. Sie werden gefragt, ob sie es denn aushalten können, wenn ein Reh aufgebrochen wird. Oder ob sie sicher seien, mit einer Motorsäge umgehen zu können.

Ich habe den Tag genossen und ein paar neue, coole Jägerinnen kennengelernt. Nichtsdestotrotz freue ich mich auch wieder auf die anderen Herbstjagden, wo ich viele meiner Jägerkollegen treffe, mich mit ihnen austausche, lache und einfach ein paar schöne Jagdmomente erleben kann. Denn ob Jäger oder Jägerin – schlussendlich haben wir alle dasselbe Ziel, und das soll im Vordergrund stehen.

Ein herzliches Dankeschön

JagdAargau bedankt sich herzlich bei Sandra Schmid für diesen authentischen, lebendigen und ehrlichen Einblick in einen rundum gelungenen Jagdtag.

Ein besonderer Dank gebührt Rolf Suter und dem Revier Gränichen Ost: Mit der vor über 20 Jahren initiierten Frauenjagd hat er echten Pioniergeist bewiesen. Eine zukunftsorientierte, gesellschaftspolitisch wichtige und zeitgerechte Initiative, die den Zusammenhalt stärkt und zeigt, wie gelebte Nachwuchs- und Frauenförderung in unserer Jagdkultur funktioniert.

Impressionen von der Aargauer Frauenjagd

Impressionen von der Frauenjagd im Revier Gränichen Ost.